vorromanischer Stein zu Wannweil

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Authors: Herbert Paulus
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Abstract

In der Kirche zu Wannweil (Landkreis Tübingen) befindet sich ein schon oft besprochener, seiner Sym- bolik nach heute fremdartig wirkender Reliefstein, der in die Reihe vorromanischer Denkmale aufgenommen werden muß, weil nicht nur seine primitive Konzeption, sondern auch die Vorstellungswelt seiner Bilder einer älteren, der Romanik vorausgehenden Epoche entspricht.Dieser Stein (Länge 150 cm, Höhe 45 cm, Dicke nicht feststellbar) befand sich nach dem württembergischen Inventar von 1897 1 "in der Südmauer der ein- gerissenen Kirche eingemauert".Er war -nach Pau- lus' treffender Beobachtung -"mit heidnischem Drach-und Zopfwerk und christlicher, mit dem ein- getieften Kreuz verzierter Scheibe" versehen.Aller- dings war die Annahme, der Stein zeige "noch den langobardischen Stil", mit Recht nicht akzeptiert worden, wenngleich auch daraus eine richtige Be- obachtung zu sprechen scheint.Nach Paulus haben dann Fastenau 2 und Troescher 3 den Stein nochmals besprochen.Vor allem war es Troescher, der dies in einer gründlichen Form versucht hat.So wird man ihm auch bezüglich der Deutung der labarumähnlichen Scheibe auf unserem Stein, die er m.E. mit Recht mit einem Monogramm-Medaillon verglichen hat, dankbar Folge leisten.Je- denfalls wird damit zweifellos die eine Seite dieses Reliefdetails richtig als ein dem byzantinischen Be- reich angehörendes Symbolmotiv gedeutet.Bezüglich der Deutung der zur Darstellung gekommenen Schlangen muß ich ihm leider meine Gefolgschaft ver- sagen, da hier nicht eine christliche, sondern (wie schon E. Paulus richtig angenommen hat) eine heid- nische Symbolik zugrundegelegt werden muß.Die Vorbilder dieser Bestien sind hier noch viel zu offensichtlich mit der frühmittelalterlichen Vorstellungswelt unserer Vorfahren verhaftet, als daß es möglich gewesen wäre, daß auch das Mittelalter sie so über- nommen hätte.Ebenso ist auch die Konzeption, der dualistische Grundzug dieser -im wahrsten Sinne des Wortes -wie in einem verbissenen Kampfe mit- einander lebenden Kreatur im Zusammenhang mit dem stets als heidnisch anzusprechenden Irminsul- symbol (alias Liliensymbol) in romanischer Zeit schon nicht mehr üblich gewesen.Abgesehen davon kennen wir wohl in der Romanik eine ähnliche, aus der Vor- zeit des Volkes kommende Symbolik, aber eine der- artige "unvermittelte" Verbindung von byzantinischer und heidnischer Symbolik wie im vorliegenden Falle ohne die sonst für die Romanik übliche "Eindeutschung" beziehungsweise "Verchristlichung" der Vorlagen wäre für die romanische Epoche geradezu etwas Einzigartiges.Wir halten es daher für durchaus geboten, den Wannweiler Stein hier nochmals zu untersuchen (Abb.1).Der Stein zerfällt in eine Reihe von ikono- graphisch leicht ablesbaren Bildelementen, nämlich in das Irminsulsymbol (es wird im ganzen zweimal 1. Der Stein von Wannweil

Fields of Study & Subjects

Medieval European History and Architecture Medieval Literature and History Ancient and Medieval Archaeology Studies

Publication details

Journal / source
Schwäbische Heimat
Volume
7
Issue
6
Pages
231–235
Publication date
28 January 2026