Schwäbische Reisende in England
Abstract
Schwäbische Reisende in England Von Karla Johns Erst seit dem 15.Jahrhundert beginnt England aus dem Nebel der Unkenntnis emporzutauchen, der die Insel für die Bewohner des Festlandes beinahe undurchdringlich umgab.Denn seit dieser Zeit existieren Reisebeschrei- bungen, die ein wenn auch noch etwas verschwommenes Bild von Land und Leuten malen und eine gewisse Vor- stellung von den Sitten und Gebräuchen des Inselreiches möglich machen.Gerade die schwäbischen Berichte ge- hörenwenigstens zur Renaissancezeitzu den häufigsten und ergiebigsten, wie denn auch die Beziehungen zwischen England und Schwaben zwischen 1558 und 1603, der Regierungszeit der Königin Elisabeth, beson- ders rege waren.Aber schon ein Jahrhundert früher, im Jahre 1457 treffen wir einen schwäbischen Reisenden in England, nämlich Jörg von Ehingen (1428-1508), den man wohl als den letzten schwäbischen Ritter bezeichnen kann.Denn schon der Titel seines Lebensberichts: "Reisen nach der Ritterschaft" (1600 zu Augsburg gedruckt) verrät, daß er seinen Stand noch ganz im Sinne des Mittelalters auffaßte und in ritterlichen Kämpfen und kriegerischen Abenteuern seinen Beruf sah, obwohl der getreue Rat- geber des Grafen Eberhard im Bart später hohe Ver- waltungs-und Regierungsposten versah und wir ihn 1468 in der interimistischen Landesverwaltung und 1480 als Obervogt vonTübingenwiederfinden.Er stammte aus einem oberschwäbischen Geschlecht und war eines der hundert Kinder gewesen, die mit ihren fünf Eltempaaren friedlich auf der Burg Hohenentringen auf- wuchsen, wie er in seiner Biographie schreibt.Seine Reisen führten ihn über Rhodos und Zypern bis ins Heilige Land.1456 nahm er als Hauptmann teil am Kampf gegen die heidnischen Sarazenen vor Ceuta, wo er in einem Zweikampf mit deren Anführer den Feldzug entschied.1458 besuchte er auf der Rückreise von Spanien die Höfe von England und Schottland.Leider wird an dieser Stelle sein sonst so anschaulicher, wenn auch etwas unbeholfener Bericht äußerst lakonisch und wir erfahren nur, daß König Heinrich VI. ihn sehr freundlich aufgenommen und ihm "sin orden gesellschaft" gab.Am schottischen Hofe erwies man ihm mit Jagden und Turnieren besondere Ehre, da er in seiner Jugend der Schwester des Königs, der Gemahlin Herzog Sigismunds von Österreich, als Page gedient hatte, und beschenkte ihn mit Kleinodien, Zelten, einem Hengst und dreißig Dukaten.Im Anschluß an seinen Bericht finden sich die Porträts sämtlicher Potentaten, die er persönlich aufgesucht hatte, darunter auch die Hein- richs VI. und Jakobs 11.
Fields of Study & Subjects
Travel Writing and Literature
Historical Art and Culture Studies
Historical Influence and Diplomacy
Publication details
- Journal / source
- Schwäbische Heimat
- Volume
- 8
- Issue
- 5
- Pages
- 188–191
- Publication date
- 14 January 2026