Validierung einer deutschen Version des Central Sensitization Inventory (CSI-GE)

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Authors: Michel Klute
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Abstract

Das Phänomen der Zentralen Sensibilisierung wird als ein Faktor für die Entstehung und Unterhaltung verschiedener chronischer Schmerzsyndrome angesehen. Die Quantifizierung dieses Prozesses in Klinik und Forschung ist ein schwieriges Unterfangen. Das Central Sensitization Inventory (CSI) wurde entwickelt, um die Detektion von Zentraler Sensibilisierung und central sensitivity syndroms (CSS) in einfacher Form mittels eines Fragebogens zu ermöglichen. Ziel dieser Arbeit war die Validierung einer in die deutsche Sprache übersetzten und kulturell adaptierten Version des CSI (im Folgenden CSI-GE) sowie kritische Diskussion der Ergebnisse im Kontext internationaler Studien. Die Analyse des CSI-GE untersuchte einerseits die Reliabilität, andererseits die Validität des Instruments. Bezüglich der Reliabilität wurde die Interene Konsistenz mittels Cronbachs α und die Test-Retest Reliabilität in einer Subgruppe chronischer Schmerzpatient*innen mittels Intraklassenkorrelationskoeffizienten (ICC) analysiert. Die Analyse der Validität gliedert sich in die strukturelle Validität und die Konstruktvalidität. Die Untersuchung der strukturellen Validität erfolgte in Form einer explorativen und konfirmatorischen Faktorenanalyse. Für die Konstruktvalidität wurde im Rahmen von Hypothesentestungen einerseits das Differenzierungsvermögen des CSI-GE zwischen Subgruppen untersucht, von welchen vorab angenommen wurde, dass ein unterschiedliches Ausmaß Zentraler Sensibilisierung vorliegt. Andererseits wurden konvergente beziehungsweise divergente Eigenschaften zu bekannten, bereits etablierten Fragebögen und Konstrukten mittels Korrelationen analysiert. Insgesamt wurden 346 Proband*innen rekrutiert, was in 310 auswertbaren Datensätzen resultierte. Diese teilen sich auf in 247 chronische Schmerzpatient*innen, bestehend aus fünf Subgruppen, und einer schmerzfreien Kontrollgruppe mit 63 Proband*innen. Der CSI-GE zeigte eine exzellente Reliabilität mit einem Cronbachs α von 0,928 sowie einem ICC von 0,917 für die Messwiederholung nach durchschnittlich 18,42 Tagen. Die Analyse der strukturellen Validität resultierte explorativ in einer Ein-Faktor-, sowie konfirmatorisch in einer Bi-Faktor-Lösung und untermauerte die Legitimität, einen Summenwert aus allen 25 Items des Fragebogens zu bilden. Die Bedeutung weiter differenzierender Faktoren bleibt aktuell dabei noch unklar. Die Konstruktvalidität zeigte divergierende Ergebnisse. Der CSI- GE konnte signifikant zwischen Personengruppen differenzieren, von welchen im Voraus angenommen wurde, dass sie ein unterschiedliches Ausmaß Zentraler Sensibilisierung aufweisen. Zusätzlich erzielte die Subgruppe mit Fibromyalgie als „Positivkontrolle“ für das Ausmaß Zentraler Sensibilisierung die höchsten und die schmerzfreie Kontrollgruppe als „Negativkontrolle“ die niedrigsten Werte. Die Beziehung zu anderen Konstrukten zeigte den höchsten Zusammenhang mit somatischen Symptomen. Schmerzsensitivität, Intensität, Dauer und physische gesundheitsbezogene Lebensqualität scheinen keine bedeutende Rolle im Konstrukt einzunehmen. Die Interpretation der Ergebnisse ist schwierig, da die Definitionen Zentraler Sensibilisierung stark unterschiedlich sind, assoziierte Symptome sehr unspezifisch erscheinen und somit die Items im Fragebogen wenig spezifisch ausfallen. Es bleibt im Hinblick auf diese Aspekte zweifelhaft, ob der CSI-GE Zentrale Sensibilisierung oder eher ein Ausmaß polysymptomatischer Beeinträchtigung misst. Diese polysymptomatische Beeinträchtigung könnte in gleicher Weise das Differenzierungsvermögen zwischen den Subgruppen erklären, aber auch den prominenten Faktor aus der Faktorenanalyse repräsentieren. Zusätzlich lässt sich die Beziehung einiger bereits etablierter Instrumente zum CSI-GE nur schwierig erklären und passt nicht in das aktuelle Verständnis von Zentraler Sensibilisierung. Dies betrifft insbesondere die niedrige Korrelation mit dem „Pain Sensitivity Questionnaire minor“ in der hier durchgeführten Studie, jedoch auch die nicht vorhandenen oder geringen Zusammenhänge experimentell ermittelter Druckschmerzschwellen und dem CSI in anderen internationalen Studien. Ein essenzieller Aspekt von Zentraler Sensibilisierung – eine reduzierte Schmerzschwelle – korreliert nicht mit dem klinischen Syndrom. Dies untermauert, dass der CSI eher psychopathologische Aspekte Zentraler Sensibilisierung beziehungsweise von CSS erfasst, als neurobiologische Alterationen. Ein alltäglicher klinischer und wissenschaftlicher Nutzen des Instruments, z.B. zur Therapieplanung und Verlaufskontrolle erscheint zum aktuellen Zeitpunkt voreilig. In weiteren Studien sollte zunächst das Konstrukt weiter konkretisiert, sowie die Änderungssensitivität des Fragebogens nach Interventionen analysiert werden.

Fields of Study & Subjects

Fibromyalgia and Chronic Fatigue Syndrome Research Musculoskeletal pain and rehabilitation Pain Mechanisms and Treatments

Publication details

Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis