Wirkung selektiver Östrogen- und Androgenrezeptormodulatoren auf die Skelettmuskulatur im orchiektomierten Rattenmodell
Abstract
Die Sarkopenie ist eine altersassoziierte Erkrankung des Bewegungsapparats, die durch Immobilität, erhöhte Sturzneigung und häufigere Hospitalisierungen erheblich zur Belastung des Gesundheitssystems beiträgt. Aufgrund des demografischen Wandels nimmt ihre Bedeutung weiter zu. Ein wesentlicher ätiologischer Faktor ist der altersbedingte Mangel an Androgenen und Östrogenen. Männer sind in besonderem Maße betroffen, während wirksame therapeutische Optionen bislang fehlen. Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung der Wirkung einer Kombinationstherapie aus dem selektiven Androgenrezeptormodulator (SARM) Ostarine und dem selektiven Östrogenrezeptormodulator (SERM) Raloxifen auf die Muskelstruktur im Modell der orchiektomierten Ratte. Hierzu wurden acht Monate alte männliche Sprague-Dawley-Ratten bilateral orchiektomiert und in fünf Versuchsgruppen eingeteilt: eine nicht orchiektomierte Kontrollgruppe, eine unbehandelte orchiektomierte Gruppe sowie drei Therapiegruppen mit Ostarine, Raloxifen oder einer Kombination beider Substanzen. Die Behandlung erfolgte über 18 Wochen. Anschließend wurden die Skelettmuskeln gastrocnemius, soleus und longissimus histologisch untersucht. Analysiert wurden Muskelgewicht, Muskelfaserquerschnittsfläche und -durchmesser jeweils unter Berücksichtigung des Körpergewichts sowie Kerndichte und Kapillarisierung. Zusätzlich wurden die Gewichte der Prostata und des M. levator ani sowie ausgewählte Serumparameter bestimmt. Die Orchiektomie führte zu einer Hormonmangelsituation mit reduziertem Körpergewicht sowie einer Abnahme der Gewichte von Prostata und M. levator ani. Ostarine zeigte einen anabolen Effekt auf den hormonsensiblen M. levator ani, war jedoch mit einem unerwünschten Effekt auf die Prostata assoziiert. Raloxifen führte zu einer Zunahme der körpergewichtskorrigierten Muskelfaserflächen und -durchmesser, was als Hinweis auf eine günstige Veränderung der fettfreien Körpermasse interpretiert wurde. Die Kombinationstherapie vereinte die Effekte beider Substanzen weitgehend und zeigte im Vergleich zur Ostarine-Monotherapie eine geringere Wirkung auf die Prostata. Zusammenfassend zeigte insbesondere die Raloxifen-Monotherapie günstige Effekte auf die untersuchten Skelettmuskeln in Relation zum Körpergewicht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine kombinierte pharmakologische Modulation von Androgen- und Östrogenrezeptoren einen potenziellen Ansatz zur Therapie der Sarkopenie beim Mann darstellen könnte, der jedoch in weiteren Studien validiert werden muss.
Fields of Study & Subjects
Hormonal and reproductive studies
Muscle Physiology and Disorders
Nutrition and Health in Aging
Publication details
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis