Stabilität und Variabilität von Zielwahlentscheidungen – Modellierung und Simulation am Beispiel des Freizeitverkehrs
Abstract
Personen bewegen sich in ihrem Alltag in Raum und Zeit und suchen dabei eine Vielzahl von Orten auf. Das räumliche Verhalten von Personen ist dabei von sich wiederholenden Mustern und Routine, aber auch vom Streben nach Abwechselung geprägt. Die Zielwahl ist eine der größten Herausforderungen bei der Abbildung des Verhaltens in Verkehrsnachfragemodellen, die zur Prognose von Wirkungen im Rahmen von Maßnahmen erstellt werden. Die vorliegende Arbeit untersucht das Zielwahlverhalten im Rahmen von Freizeitaktivitäten mit einem Fokus auf dessen Stabilität und Variabilität. Die Arbeit nutzt eine Längsschnitterhebung von mehreren Wochen für die Beschreibung von stabilen und variablen Zielwahlverhalten mit geeigneten Indikatoren. Ergänzend wird eine Erhebungsmethode für Aktivitätenorte erstellt, welches neben dem räumlich-zeitlichen Verhalten den sozialen Kontext der Aktivitätenorte betrachtet. Das Erhebungskonzept wurde in einer Piloterhebung angewandt. Mit einem Zielwahlmodellkonzept werden stabile und variable Verhaltensweisen in ein Verkehrsnachfragemodell integriert. Das Modellkonzept betrachtet Zielwahlentscheidungen in einer langfristigen und kurzfristigen Perspektive, indem es zuerst das typische räumliche Verhalten von Personen bestimmt und die eigentliche Zielwahl dieses in ihren Entscheidungen berücksichtigt. Die Synthese von Ortsbezie-hungen bestimmt die Orte des typischen Verhaltens und deren Präferenzen, die über die Analyse wiederkehrender Zielwahlentscheidungen im Längs-schnitt ermittelt werden. Die Zielwahl nutzt diese verhaltensbasierten Präfe-renzen, um stabiles Verhalten von Personen besser erklären zu können. Die Methode baut in weiten Teilen auf diskreten Entscheidungsmodelle auf und spezifiziert diese entsprechend den Rahmenbedingungen der Zielwahl. Die Ergebnisse zeigen, dass Freizeitverhalten heterogen ist und viele Unter-schiede zwischen den verschiedenen betrachteten Freizeitzwecken beste-hen. In der Gesamtbetrachtung lässt sich Freizeit als mehrheitlich räumlich variabel charakterisieren. Stabile Verhaltensweisen existieren aber dennoch und einzelne Freizeitkategorien wie Vereins- und Gruppenaktivitäten sind in Summe deutlich stabiler als andere. Freizeitaktivitäten werden überwiegend selbstbestimmt durchgeführt und sind sowohl von Spontanität und Routine geprägt. Das Modellkonzept kann das typische räumliche Verhalten des Aktivitätentyps Freizeit im Wesentlichen erfassen und die Modellanwendung führt zu räumlich stabilerem Verhalten, welches näher an der Realität liegt. Es führt des Weiteren zu einer geringeren Maßnahmensensitivität. Räumli-che Stabilität geht auf Basis der Simulationsergebnisse mit einem höheren Widerstand gegenüber Veränderungen einher. Die Arbeit ermöglicht ein besseres Verständnis des räumlich-zeitlichen Verhaltens der Freizeitmobilität im Längsschnitt und eine realistischere Gestaltung der Zielwahl in Verkehrs-nachfragemodellen.
Fields of Study & Subjects
Transportation Planning and Optimization
Human Mobility and Location-Based Analysis
Urban Transport and Accessibility
Publication details
- Journal / source
- Repository KITopen (Karlsruhe Institute of Technology)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis