Die schulische Situation mehrsprachiger Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in der Schweiz und Maßnahmen zu ihrer Förderung. Ergebnisse einer Delphi-Expert/inn/en-Befragung

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Authors: Stephan Rösselet
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Abstract

Seit der Veröffentlichung der PISA-Studien rückt auch in der Schweiz die existierende ungleiche Verteilung von Bildungschancen verschiedener sozialer Gruppen wieder vermehrt ins Zentrum bildungspolitischer Diskussionen. Zur Erklärung des geringeren Schulerfolgs von Schüler/inne/n mit Migrationshintergrund werden in der aktuellen Bildungsforschung die auf Boudons Arbeit (1974) gründende Unterscheidung primärer und sekundärer Effekte und die Rational-Choice-Theorie herangezogen, welche strukturtheoretische und individualtheoretische Interpretationsansätze bieten. Trotz des steigenden Wissens um das komplexe Zusammenspiel verschiedener Ursachen für die vorhandenen Bildungsdisparitäten, der Bildungsexpansion oder schulstrukturellen und didaktischen Massnahmen konnte jedoch die Schulerfolgsquote dieser Schüler/innen auch in den letzten Jahren nicht an diejenige der einsprachigen, einheimischen Schüler/innen herangeführt werden. Insbesondere der Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I stellt sich dabei bezüglich sozialer Selektivität des Bildungssystems als besonders bedeutsam heraus. Im Rahmen einer Untersuchung der PH Bern wurde die Einschätzung der Wirksamkeit und Durchführbarkeit verschiedener Massnahmen über Expert/inn/enurteile erhoben. Zu diesem Zweck wurden 128 Massnahmen aus den sechs Kontexten(1) Unterricht, (2) institutionelle Struktur, (3) Elternzusammenarbeit, (4) Diagnostik, Selektion und Übergänge, (5) schulische Netzwerke und Zusammenarbeit zwischen Schulen und Lehrpersonen und (6) Bildungspolitik formuliert. 176 Expert/inn/en aus den Bereichen Wissenschaft, Bildungsadministration und Unterricht aus der Schweiz, Deutschland und Österreich schätzen die Wirksamkeit und Durchführbarkeit der vorgelegten Massnahmen ein und begründeten ihre Urteile. Drei Massnahmegruppen stellten sich als besonders wichtig heraus: (1) Massnahmen im Unterricht, wie die Verstärkung der Individualisierung, die Förderung der Literalität und des kooperativen Lernens; (2) Verbesserungen auf der Institutionsebene, wie die Umsetzung eines integrativen Schulsystems, welches Erst- und Zweitsprachkompetenzen fördert, oder die Reform des Selektionssystems; (3) eine Verschiebung von assimilativ-monolingualen, zu integrativ-multilingualen Schulmodellen.

Fields of Study & Subjects

Education and experiences of immigrants and refugees Sociology and Education Studies Immigration and Intercultural Education

Publication details

Journal / source
Open Access Repository Bern University of Teacher Education
Publication date
12 February 2026
Language
DE