A. Begriffsdefinitionen im Tierschutz und Erläuterungen
Abstract
sche Folgen für das Individuum.7 Allein aus diesen Überlegungen heraus muss für jedes Tier die Wahrnehmung von Schmerz oder eines vergleich baren Empfindens angenommen werden.8 Dies ist eine so grundsätzliche, evolutionäre Notwendigkeit (Abb.1), dass im Zweifel das Gegenteil bewie sen werden muss.9 Wie bereits zuvor erwähnt, haben unterschiedliche Tierklassen/Tierarten im Laufe der Evolution die Auslöser für das Schmerzempfinden an ihre jeweilige Lebenssituation adaptiert.Ein Tier, welches zB dauerhaft in kalter Umgebung lebt, hat ggf.keine adaptive Notwendigkeit, erhöhte Temperatu ren als Schmerz zu empfinden.10 Daher kann es sein, dass die Nozizeptoren dieser Tiere nicht für das Empfinden bestimmter Temperaturen ausgelegt sind.Als weiteres bekanntes Beispiel für die unterschiedliche Empfindlich keit gegenüber Schmerzreizen seien hier Geflügel/Vögel genannt, welche nicht oder kaum auf Capsaicin reagieren 11 , eine Substanz aus Chilischoten, welche eine der stärksten Schmerzempfindungen in Säugetieren auslöst.Diese fehlende Empfindlichkeit gegenüber Capsaicin ist ebenfalls vermut lich eine evolutionäre Anpassung, da viele Vogelarten Samen und Früchte von Paprikapflanzen fressen, die Capsaicin enthalten.Ein noch erstaunli cheres Beispiel ist der Nacktmull, der angepasst an seine Lebensumwelt diverse physiologische Besonderheiten entwickelt hat, so auch ein reduzier tes Schmerzempfinden auf ausgewählte Schmerzreize.12Lange Jahre wurde angezweifelt, dass Wirbellose, aber auch zB Fische und Amphibien, Schmerzen empfinden.Neben der grundsätzlichen Über lebensnotwendigkeit von akutem Schmerz haben sich im Laufe der Evoluti on unterschiedliche Mechanismen entwickelt 13 , die es geradezu vermessen erscheinen lassen, das Schmerzempfinden allein dem Menschen oder Säu getieren zuzuschreiben.Zusätzlich zu dieser einzigen, aus evolutionsbiolo gischer und physiologischer Sicht akzeptablen Grundsätzlichkeit gibt es 7 Chen/Auer-Grumbach/u.a.Nat Gene.47 (2015).8 Budde, https://www.deutschlandfunk.de/made-im-schmerz-ueber-fuehlende-insekte n-100.html;Stand 03.07.2025.9 Vertiefend zu der Frage, wie sich diese ethische Forderung rechtlich, insbesondere strafrechtlich, fassen lässt, in: Caspar/Gerhold, HK-TierSchG (2026), § 1 Rn. 26.
Fields of Study & Subjects
Animal Behavior and Welfare Studies
Veterinary Pharmacology and Anesthesia
Animal Law and Welfare
Publication details
- Journal / source
- Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG eBooks
- Pages
- 13–60
- Publication date
- 1 January 2026
- Document type
- Book chapter