Auf der Suche nach der badischen Identität
Abstract
Niemand kann zweimal in denselben Fluß steigen. Wir steigen in denselben Fluß und doch nicht in den selben. Wir sind es, und wir sind es nicht. An diese Weisheit des Heraklit muß denken, wer Vergangenes und Gegenwärtiges vergleicht, auch wer Gegenwärtiges mit dem vergleicht, was sein könnte. Das ist auch zu bedenken, wenn man das Wort Identität gebraucht. Nimmt man Heraklit wörtlich, gäbe es eine Identität überhaupt nicht. Es wurde aber stets für die Echtheit und Einheit eines Gegenstandes oder einer Person, zuverlässig wie ein Personalausweis, verwendet. In der Sprache von Historikern und Politologen wird der Begriff undeutlich, bis zur Beliebigkeit, und eingesetzt für Werte wie Tradition, Einheit, Geistesverwandtschaft, die emotional oder rational auftreten. Er ist flexibel, gestaltbar, kann willentlich neu geschaffen, "gestiftet" werden. Es genügt schon Übereinstimmung in Teilaspekten, sodaß sich überlagernde, sogar widerstreitende Identitäten entstehen können. Er kann zum Schlagwort werden oder zum Mythos. Wenn deutsche Hellenisten das Land der Griechen verherrlichten, konnten sie sich mit ihnen identifizieren "bis zur tragischen Besessenheit".
Fields of Study & Subjects
Historical
Literary
and Cultural Studies
Historical Influence and Diplomacy
Historical and Religious Studies of Rome
Publication details
- Journal / source
- RegionaliaOpen
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE