Die Gründung der Erbhofsiedlung Neurott - ein Stück nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik?
Abstract
Historisch Interessierte werden bei Heidelberger Bauten aus der Zeit des Nationalsozialismus an die Kasernenbauten der Wehrmacht denken, vor allem aber an die Thingstätte auf dem Heiligenberg und den Ehrenfriedhof oberhalb des Bergfriedhofs. Diese beiden Anlagen wurden in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1936 als "vom Geist des III. Reiches getragene Neuschöpfungen […], aber auch als Musterbeispiele neuer Baugesinnung" bezeichnet. Weit weniger bekannt sein dürfte ein Bauvorhaben, das in der Zeit des Nationalsozialismus an der äußersten südwestlichen Peripherie Heidelbergs entstand. Am 26. Juni 1938 wurde die zum Stadtteil Kirchheim gehörende landwirtschaftliche Siedlung Neurott eingeweiht. Die neu entstandenen Höfe waren Erbhöfe im Sinne des Reichserbhofgesetzes vom 29. September 1933. Dieses Gesetz atmet in Inhalt und Sprache den Geist nationalsozialistischer Ideologie. Die Eintragung der Höfe der Siedlung Neurott in die Erbhöferolle gem. § 1 (3) Reichserbhofgesetz verknüpfte die Gründung der Siedlung mit der nationalsozialistischen Ideologie. Handelte es sich dabei also wie bei Ehrenfriedhof und Thingstätte um eine vom Geist des "Dritten Reiches" getragene Neuschöpfung, um ein "Stück nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik"? Darauf versucht der vorliegende Artikel, eine Antwort zu geben.
Fields of Study & Subjects
European history and politics
Architecture
Modernity
and Design
German legal
social
and political studies
Publication details
- Journal / source
- RegionaliaOpen
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE