Freund*innen und frauenliebende Frauen im deutschen Südwesten 1920-1945
Abstract
"Heute ist ja alles anders. […] Es ist heutzutage nicht mehr so ein Tabuthema. […] Und wenn ich heute als Lesbe was will, zum Bespiel als Forscherin, dann kann ich das besser durchsetzen. Man traut sich nicht mehr zu sagen, dass das kein Thema mehr ist." Diese Einschätzung einer lesbischen Frau Mitte 60 stammt aus den Oral History-Interviews, die Benno Gammerl für seine Geschichte schwulen und lesbischen Lebens in der Bundesrepublik führte. Doch trotz des hier zum Ausdruck kommenden Optimismus über das Erreichte ist die Geschichte lesbischen Lebens an deutschsprachigen Universitäten bisher unterrepräsentiert. Das gilt, obwohl die Arbeiten von Aktivist*innen, lokalen Gedenkinitiativen und Geschichtswerkstätten zeigen, dass es eine queer-lesbische Geschichte gibt, die es zu erzählen gilt. Es gibt sie als eigenständige Geschichte einer Gruppe, die "im späten 19. Jahrhundert als eigene ‚Spezies‘ beschrieben worden war"– eine Figur der "Homosexualität", die sich erst ab den späten 1980er-Jahren aufzulösen begann. Es gibt diese Geschichte aber auch als eine verflochtene, die gemeinsam mit der Geschichte der Mehrheitsgesellschaft in ihren gesellschaftlichen, politischen, rechtlichen und ökonomischen Entwicklungen erzählt werden muss.
Fields of Study & Subjects
Gender and Feminist Studies
European history and politics
Historical Gender and Feminism Studies
Publication details
- Journal / source
- RegionaliaOpen
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE