Zum Phänomen der "Erasio nominis" im Mittelalter und in der frühen Neuzeit

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Authors: Renate Neumüllers-Klauser
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Abstract

In den vielfältigen Arbeiten zur Memoria, die in den letzten Jahrzehnten veröffentlicht wurden, hat die Negation, die Damnatio und (ihr folgend) die Deletio Memoriae bisher kaum jemals Berücksichtigung gefunden. Der aus der klassischen Antike adaptierte, allerdings nicht ganz ohne Bedenken zu verwendende Terminus technicus ist vielfach mehr oder weniger unbedenklich auch auf rein äußerlich durchaus vergleichbare Erscheinungsbilder im Mittelalter und der frühen Neuzeit angewendet worden, denen aber — dies sei vorweggenommen ganz andere Zusammenhänge zugrundeliegen und die mit der Bezeichnung deletio memoriae nicht korrekt bezeichnet sind. Die ursprüngliche Praxis wird als solche meist als bekannt vorausgesetzt, auch benannt und sogar ihre mögliche Übernahme aus der Antike gelegentlich angesprochen, aber konkrete Hinweise auf Belege aus der nachklassischen Zeit sind eher selten und kaum je als wirklich analog zu bezeichnen. Die Damnatio memoriae in ihrer ursprünglichen Bedeutung geht zurück auf die in der römischen Kaiserzeit nachzuweisende "Memorialstrafe", durch die ein princeps ggf. auch nach seinem Tod durch senatorischen Strafprozeß (der korrekte juristische Begriff ist memoria damnata) zum Landesfeind erklärt werden konnte; mit dieser damnatio war dann sekundär und als Folgestrafe verbunden eine deletio memoriae, d.h. die Zerstörung von Statuen, Büsten, Medaillons und ggf. auch von Münzen bzw. die Tilgung des Namens aus Inschriften.

Fields of Study & Subjects

Medieval and Early Modern Justice Classical Antiquity Studies Medieval Literature and History

Publication details

Journal / source
RegionaliaOpen
Publication date
1 January 2026
Language
DE