Kinderbücher zu sexualisierter Gewalt - eine qualitative Analyse
Abstract
Sexualisierte Gewalt gegen Kinder stellt ein gravierendes gesellschaftliches Problem dar, das trotz seiner hohen Prävalenz im deutschsprachigen Kinderbuchmarkt bislang nur begrenzt sichtbar wird. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Masterarbeit, wie sexualisierte Gewalt gegen Kinder in deutschsprachigen Kinderbüchern aus dem Veröffentlichungszeitraum 2000 bis 2025 narrativ verhandelt wird. Analysiert werden Darstellungsmuster von Täter*innen, betroffenen Kindern sowie Gewaltkontexten und deren Beitrag zu einer realitätsnahen Abbildung kindlicher Lebenswelten. Die Untersuchung basiert auf einer qualitativen Inhaltsanalyse von zwölf Kinderbüchern, die sich explizit mit sexualisierter Gewalt befassen. Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden zentrale Analysekategorien entwickelt, die eine systematische Untersuchung narrativer Darstellungsmuster ermöglichten. Die Ergebnisse zeigen, dass die analysierten Werke zwar zur Enttabuisierung sexualisierter Gewalt beitragen, jedoch überwiegend normierte Narrative reproduzieren. Gewalt wird zumeist als isolierte Tat männlicher* Täter aus dem sozialen Nahfeld dargestellt. Alternative Konstellationen, etwa weibliche* oder gleichaltrige Täter*innen, digitale Gewaltformen, strukturelle Gewaltzusammenhänge sowie institutionelle Mitverantwortung, bleiben weitgehend ausgeblendet. Zudem weisen die Texte erhebliche Leerstellen in Bezug auf Diversität auf: Die Figuren sind überwiegend weiß, nicht-behindert, heteronormativ positioniert und in bürgerlichen Kernfamilien verortet. Während einzelne Werke psychische Reaktionen betroffener Kinder differenziert darstellen, reduzieren andere komplexe innere Prozesse stark. Auch die Vermittlung präventiver Inhalte sowie die Darstellung von Hilfe- und Aufdeckungsprozessen variieren deutlich und verweisen auf fehlende pädagogische Standards. Insgesamt leisten die untersuchten Kinderbücher wichtige Beiträge zur Sichtbarmachung sexualisierter Gewalt, reproduzieren jedoch vielfach verkürzte Erzählmuster. Die Studie identifiziert zentrale Entwicklungsbedarfe und formuliert Impulse für eine diversitätssensible und realitätsnahe Weiterentwicklung kinderliterarischer Präventionsmedien, die gesellschaftliche Machtverhältnisse und institutionelle Rahmenbedingungen explizit einbezieht.
Fields of Study & Subjects
Themes in Literature Analysis
Military
Security
and Education Studies
Child Abuse and Trauma
Publication details
- Journal / source
- Publication Server (Pädagogischen Hochschule Freiburg)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis