Anger in English and Chinese: Corpus-based contrastive explorations of a lexical field
Abstract
Diese Studie untersucht Wutgefühle im englischen und chinesischen Sprachkontext. Im Gegensatz zur psychologischen Forschung, die Emotionen als physische und mentale Zustände begreift und dabei individuelle menschliche Erfahrungen sowie kognitive Prozesse in den Vordergrund stellt (z. B. Ekman, Friesen & Ellsworth 2013; Izard 1977; James 1948), konzentriert sich die linguistische Forschung – einschließlich der vorliegenden Untersuchung – auf die diskursive Repräsentation emotionaler Zustände. Ziel ist es, Unterschiede im sprachlichen Ausdruck unter Berücksichtigung sozialer und kultureller Konventionen aufzuzeigen (z.B. Wierzbicka 1995; Yu 1995; Lakoff & Kövecses 1987). Die Studie verfolgt drei zentrale Zielsetzungen: Erstens werden korpusbasierte semantische Profile von nominalen Ausdrücken für Wut im Englischen und Chinesischen erstellt. Zweitens werden diese Profile hinsichtlich intra- sowie interlingualer Überschneidungen und Kontraste untersucht. Drittens sollen mögliche kulturelle Einflüsse auf die Lexikalisierung emotionaler Konzepte identifiziert werden. Methodologisch kombiniert die Arbeit einen korpuslinguistischen Ansatz mit einem modifizierten strukturellen Verfahren sowie dem lexikalischen Modell nach Sinclair. Der korpuslinguistische Zugang ermöglicht präzise und verlässliche Ergebnisse, da er auf umfangreichen Textsammlungen aus authentischem Sprachgebrauch basiert. Der modifizierte strukturelle Ansatz dient der semantischen Analyse der Wutlexeme aus mehreren Perspektiven. Dabei bedeutet die Festlegung semantischer Dimensionen nicht, die betreffenden Ausdrücke in konzeptuelle Primitive zu zerlegen; vielmehr erfolgt die Definition dieser Dimensionen auf Grundlage psychologischer Überlegungen sowie anhand empirisch gewonnener Kollokationsdaten. Binäre Merkmale werden nicht vollständig ausgeschlossen, jedoch stützen sich die meisten Analysen auf graduierbare Dimensionen, die insbesondere für den Vergleich semantisch verwandter Ausdrücke geeignet sind. Dieser methodische Zugang stellt einen innovativen Versuch dar, der sich im Rahmen der vorliegenden Studie als praktikabel und effektiv erwiesen hat. Darüber hinaus wurde das lexikalische Modell von Sinclair herangezogen. Die Analyse von Kolligation, Kollokation und semantischer Präferenz der Wutlexeme liefert wesentliche Informationen über deren semantische Eigenschaften und bildet somit die Grundlage für nachfolgende kontrastive Untersuchungen. Statistisch betrachtet zeigt die Studie zudem die Relevanz des logDice-Wertes auf, der bislang nur selten als Referenzgröße in semantischer Forschung verwendet wurde. Die Studie bringt bedeutsame Erkenntnisse auf semantischer wie kultureller Ebene hervor. Mittels empirischer Analysen von Kolligationen, Kollokationen, semantischen Präferenzen und Kontexten konnten die konstitutiven Merkmale englischer und chinesischer Wutlexeme präzise herausgearbeitet werden. Die gewonnenen Erkenntnisse ergänzen bestehende lexikografische Definitionen sowie frühere semantische Analysen. Die Analyse der semantischen Komponenten zeigt, dass neben universellen Eigenschaften von Wut zahlreiche Merkmale – etwa Ursachen, Erlebende, Dauer oder Regulationsmechanismen – kulturübergreifend geteilt werden können. Gleichzeitig lassen sich deutliche Unterschiede in der semantischen Struktur von Wutlexemen im Englischen und Chinesischen feststellen, beispielsweise hinsichtlich metaphorischer Konzepte, religiöser Vorstellungen, philosophischer Prägungen, des Gegensatzes zwischen Individualismus und Kollektivismus oder hierarchischer Ordnungssysteme. Darüber hinaus unterstreicht die Untersuchung den Wert korpuslinguistischer Verfahren für eine differenzierte Analyse von Emotionsausdrücken. Durch die Arbeit mit Korpora lassen sich sowohl semantische Informationen als auch kulturelle Implikationen aufdecken und vergleichend analysieren. Umfangreiche Sprachdaten ermöglichen dabei nicht nur integrierte Beschreibungen synchroner Variation, sondern erlauben es auch, sprachliche Entwicklungen nachzuverfolgen und feingliedrige Wechselwirkungen zwischen Sprache und Kultur zu identifizieren. Obwohl lexikografisch orientierte Vergleiche häufig zeigen, dass interlinguale Äquivalenz aufgrund struktureller, kognitiver, sozialer und kultureller Unterschiede nur schwer zu erreichen ist, kann auf Ebene des Diskurskontexts dennoch ein hoher Grad an Übersetzungsäquivalenz erzielt werden. Zudem hat sich die detaillierte Analyse emotionaler Begriffe in authentischen Diskurskontexten als besonders effektiv erwiesen, um den Einfluss sozialer und kultureller Faktoren auf die diskursive Gestaltung von Emotionen zu untersuchen. Mit der Anwendung eines korpusbasierten Ansatzes auf die kontrastive Analyse von Emotionsvokabular im Englischen und Chinesischen reiht sich die vorliegende Untersuchung in einen breiteren Forschungszusammenhang innerhalb der kontrastiven Linguistik ein, der sich zunehmend einem realitätsnahen, gebrauchsorientierten Ansatz in der Sprachvergleichsforschung zuwendet (z.B. Johansson 2007; Ebeling & Ebeling 2020).
Fields of Study & Subjects
Emotions and Moral Behavior
Swearing
Euphemism
Multilingualism
Language
Metaphor
and Cognition
Publication details
- Journal / source
- FreiDok plus (Universitätsbibliothek Freiburg)
- Publication date
- 5 January 2026
- Language
- EN
- Document type
- Thesis