Die Schweizer Generationenbilanz mit besonderem Fokus auf AHV und OKP - eine empirische Analyse der fiskalischen Nachhaltigkeit des Schweizer Staats, der Alters- und Hinterlassenenversicherung, der obligatorischen Krankenpflegeversicherung sowie deren Reformoptionen und ihren intra- und intergenerativen Lastenverteilungen
Abstract
Die Finanzwissenschaft analysiert öffentliche Haushalte nicht nur isoliert als kurzfristige Budgetaggregate, sondern im Kontext institutioneller Rahmenbedingungen, wirtschaftlicher Ausgangslage und der langfristigen demografischen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund untersucht die Dissertation die fiskalische Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen der Schweiz unter besonderer Berücksichtigung der Sozialversicherungen. Methodisch basiert die Analyse auf der Generationenbilanzierung, die auf der intertemporalen Budgetrestriktion des Staates beruht und es ermöglicht, explizite und implizite fiskalische Verpflichtungen sowie inter- und intragenerative Lastenverteilungen zu quantifizieren. Auf Grundlage aktualisierter alters- und geschlechtsspezifischer Einnahmen- und Ausgabenprofile sowie eigener Bevölkerungsprojektionen zu Fertilität, Migration und Lebenserwartung werden langfristige Nachhaltigkeitsindikatoren für den Gesamtstaat sowie für einzelne Teilsektoren berechnet. Der institutionelle Fokus liegt dabei auf der Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) und der obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP), die aufgrund ihrer Ausgabenstruktur und ihrer demografischen Sensitivität eine zentrale Rolle für die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen der Schweiz spielen. Die Ergebnisse der Schweizer Generationenbilanzierung zeigen, dass trotz niedriger expliziter Staatsverschuldung erhebliche implizite Verpflichtungen bestehen und die langfristige Nachhaltigkeitslücke maßgeblich durch AHV und OKP bestimmt wird. Für die AHV wird analysiert, in welchem Umfang Beitragssatzanpassungen, Mehrwertsteuererhöhungen, Veränderungen des Bundesbeitrags, eine Anhebung und dynamische Kopplung des Referenzalters an die Lebenserwartung, eine stärkere Erwerbsbeteiligung sowie Reformen der Witwen- und Witwerrenten und der Mischindexierung zur Reduktion der impliziten Schuld beitragen können. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere strukturelle Maßnahmen wie die Kopplung des Referenzalters sowie Anpassungen der Rentenindexierung hohe fiskalische Entlastungseffekte aufweisen, während rein einnahmeseitige Reformansätze zwar wirksam, jedoch politisch und verteilungspolitisch konfliktträchtiger sind. Für die OKP weisen die Szenarien im Status quo auf eine noch stärkere langfristige Belastung hin, die sich bei Berücksichtigung zusätzlicher Kostentreiber wie medizinisch-technischem Fortschritt deutlich verschärft. Prämienanpassungen reduzieren zwar die implizite Verschuldung, führen jedoch zu erheblichen intergenerativen Lastenverschiebungen und steigenden Ausgaben für Prämienverbilligungen. Insgesamt zeigt die Arbeit, dass eine nachhaltige Stabilisierung der öffentlichen Finanzen nur durch ein Bündel aus einnahme- und ausgabenseitigen Reformen erreichbar ist, dessen fiskalische Wirkung, politische Umsetzbarkeit und Verteilungswirkungen systematisch gemeinsam betrachtet werden müssen.
Fields of Study & Subjects
Fiscal Policies and Political Economy
Economic Policies and Impacts
Economic and Fiscal Studies
Publication details
- Journal / source
- FreiDok plus (Universitätsbibliothek Freiburg)
- Publication date
- 27 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis