Barockes Wundertheater im kulturellen Netz der hispanischen Globalisierung

Authors: Johanna Abel
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Abstract

Bestimmte literarische Phänomene der Frühen Neuzeit wie das hispa­nophilippinische Sakramentsspiel lassen sich als kolonial verflochtene Miniaturwelten interpretieren. Dies regt dazu an, den Blick um ein weniges wegzuwenden von der scheinbar ausgeschöpften Theoriediskussion über Grundbestimmungen und Wandlungen, Implikationen und Widersprüche des Weltliteraturbegriffs. Ergiebiger ist es anzuknüpfen an die zuneh­menden Forschungsaktivitäten, die, wie im Folgenden gezeigt wird, auf die Globalisierung von Theaterkulturen fokussiert sind.4 Problematisch gestaltet sich in diesem Zusammenhang die konkrete Textarbeit, die an den frühneuzeitlichen Manifestationen von religiösem Handeln auf den Ebenen des Körpers und der materiellen Kultur ansetzt. Bezogen auf die Aufführungspraxis des Geistlichen Spiels stehen dabei entsprechend die Dimension der Performanz, also des verkörperten Vollzugs einer Szene, und die materielle Dimension der Dramaturgie, also der Einsatz von Theatermaschinen und plastischen Objekten auf der Bühne, im Vordergrund. Als paradigmatischer Modellfall der performativen Verkörperung und dramaturgischen Materialität werden frühneuzeitliche globale Literatu­ren als religionskulturelle Formatierungen des Wunders betrachtet. Der Arbeitsbegriff der Formatierung möchte einem offenen, intermedialen Formbegriff Rechnung tragen, der es ermöglichen soll, näher zu defi­nierende Kulturen des Wunders in ihren Differenzen wahrzunehmen. Hinter dieser Betrachtungsperspektive steht die These, dass sich im Netz des global verflochtenen Geistlichen Spiels Formen der Relationalität zeigen lassen, die kulturelle Gegenentwürfe zum imperialen Modell des iberischen Universalismus zu Tage fördern können.

Fields of Study & Subjects

Early Modern Spanish Literature Theatre and Performance Studies Comparative and World Literature

Publication details

Journal / source
Publication Server of Goethe University Frankfurt am Main (Goethe University Frankfurt)
Publication date
12 January 2026
Language
DE