Leben ist keine Telos-Realisation : der Weg der Philosophin Camilla Warnke

Authors: Michael Franz
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Abstract

Im Jahre 1951 wurden an den Universitäten in Berlin, Leipzig und Jena eigenständige philosophische Institute neu gegründet, um ein unter dem Einfluss der russischen Besatzungsmacht stehendes Provisorium von Philosophieangeboten zu beenden. Das fünfjährige Philosophiestudium wurde mit einem verbindlichen Zweitfachstudium in einer Natur- oder Geisteswissenschaft eigener Wahl verknüpft. Das Hauptfachstudium umfasste den klassischen philosophischen Fächerkanon von der Ontologie (nunmehr unter dem Namen Dialektischer Materialismus) über Erkenntnistheorie und Logik und der Geschichtsphilosophie (unter dem Namen Historischer Materialismus) bis zur Ethik und Ästhetik. Die Gründungsinitiative war insoweit auch von der SED-Führung ausgegangen, als dieser daran gelegen war, marxistische Philosophie erstmalig in Deutschland als akademisches Fach zu etablieren. Die philosophischen Institute waren nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls neu eingeführten gesellschaftswissenschaftlichen Grundstudium. Der erste Berliner Institutsdirektor war der Wiener Philosoph und Publizist Walter Hollitscher, der als undogmatischer Marxist dem Wiener Kreis in keineswegs unkritischer Sympathie nahestand. Sein Nachfolger Georg Klaus, einer der einflussreichsten Philosophen der DDR, sorgte dafür, dass die marxistische Philosophie den Anschluss an Semiotik, Kybernetik und Systemwissenschaften fand. Offenbar wollte die Partei, die sich als politische Avantgarde der internationalen Arbeiterbewegung begriff, einen Schulterschluss mit der wissenschaftlichen Avantgarde herstellen. Die Frage war, konnte man sich auf eine solche Liberalität der SED-Führung, einschließlich des Wettbewerbs mit anderen philosophischen Schulen, verlassen oder war das Ganze ein Missverständnis? Es gab Indizien in beide Richtungen. [...] Camilla Warnke (Jahrgang 1931) gehört zur Generation der ersten Absolventen. Sie setzt eine Reihe fort, in der verschiedene Generationen vertreten waren - exemplarisch hierfür waren in der DDR vor allem Liselotte Welskopf-Henrich (Jahrgang 1901) und Marie Simon (Jahrgang 1922).

Fields of Study & Subjects

Marxism and Critical Theory Philosophy and Historical Thought Phenomenology and Existential Philosophy

Publication details

Journal / source
Publication Server of Goethe University Frankfurt am Main (Goethe University Frankfurt)
Publication date
12 January 2026
Language
DE