Opernparaphrasen mit identischen Themen von Franz Liszt und Sigismund Thalberg und ihre Bedeutung für die Klavierimprovisation im 19. Jahrhundert
Abstract
Forschungsgegenstand der vorliegenden Dissertation sind Opernparaphrasen von Franz Liszt und Sigismund Thalberg. Es wurde untersucht, welche unterschiedlichen Vorgehensweisen Thalberg und Liszt beim Bearbeiten der Opernvorlagen anwenden. Um eine möglichst gute Vergleichbarkeit herzustellen, wurden Paraphrasen gewählt, die sich jeweils auf eine Oper beziehen und mindestens ein Thema daraus beinhalten, das von beiden Komponisten bearbeitet wurde. Außerdem wurde untersucht, ob die Werke eine Verbindung zur Improvisationspraxis des 19. Jahrhunderts aufweisen. Um die historischen Rahmenbedingungen zu beleuchten, wurde zunächst das noch wenig erforschte Leben und Wirken des ,Pianiste-Compositeur‘ Sigismund Thalberg in den Fokus gerückt. Sein Klavierspiel, seine Kompositionen und seine Verbindung zu Liszt wurden durch diverse Zeitungsberichte von Zeitzeugen ,illustriert‘. Die darauffolgenden ausführlichen Analysen der Paraphrasenpaare erfolgten hauptsächlich nach motivisch-thematischen Gesichtspunkten aus der Perspektive eines künstlerisch-forschenden Pianisten und Improvisators. Im Anschluss daran wurden einige Phänomene aus den Kompositionen, die eine Nähe zur Improvisation aufweisen – wie z. B. Introduktionen, Kadenzeinschübe, verschiedene Arten der Motivverarbeitung, Begleittechniken, Collagentechnik etc. – genauer untersucht. Es konnte festgestellt werden, dass in den Paraphrasen beider Komponisten ein improvisatorischer Gestus vorherrschend ist. Liszt Paraphrasen sind dennoch nicht als niedergeschriebene Improvisationen zu verstehen. Es handelt sich vielmehr um genaustens ausgearbeitete Kompositionen, die in nahezu jedem Takt eine Verbindung zum Opernoriginal herstellen und gleichzeitig einen starken Fokus auf einer ‚dramatisierenden‘ Darstellung der Themen haben. Thalberg hingegen verwendet wesentlich mehr eigenes musikalisches Material. Seine Werke stehen der Improvisation näher, haben aber weit weniger ,dramatische Extreme‘. Im letzten Teil der Arbeit wurde in verschiedenen Versuchen der Frage nachgegangen, welche aus den Analysen gewonnene Erkenntnisse sich auf meine künstlerische Improvisationspraxis übertragen lassen. Es konnte festgestellt werden, dass sich einige der oben genannten Phänomene (z. B. Introduktionen und Kadenzeinschübe) hervorragend zum Improvisieren eignen und durch gezieltes Üben meine individuellen improvisatorischen Fähigkeiten bereichern und verbessern konnten.
Fields of Study & Subjects
Musicology and Musical Analysis
Literature
Musicology
and Cultural Analysis
Diverse Music Education Insights
Publication details
- Journal / source
- Qucosa (Saxon State and University Library Dresden)
- Publication date
- 26 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis