#MeToo und die Literatur : Themen und Tendenzen, 2017-2024
Abstract
Wurden in der Folge tatsächlich einflussreiche Künstler, Produzenten und Politiker für (teilweise länger zurückliegende) körperliche Übergriffe oder gar Vergewaltigungen angeklagt und in vielen Fällen auch verurteilt, verlagert sich mit "#MeToo", "#TimesUp", "#YesAllWomen", "#YoTambien", "#BalanceTon Porc", "وأنا_كمان#" oder "وانا_ايضا#" die Aufmerksamkeit aus dem (letztlich dennoch privilegierten) Hollywood-Diskurs hin zur Alltäglichkeit sexueller Belästigungen in patriarchalen Kulturen.7 Und auch in Deutschland sind - nachdem "#Aufschrei" im Januar 2013 auf Twitter noch eine eher geringe Reichweite erfuhr - seit Herbst 2017 zahlreiche Fälle von Machtmissbrauch im Deutschrap, im Theater- und Filmbetrieb, im Kunstmarkt, an Hochschulen oder bei Konzerten der Band "Rammstein" bekannt und teilweise strafrechtlich aufgearbeitet worden. Der kulturelle Einfluss zeigt sich aber auch daran, dass die Themen und Narrative um #MeToo inzwischen verschiedenfach in literarischen Texten aufgegriffen werden, die damit nicht nur einen sozialen Paradigmenwechsel dokumentieren, sondern als exemplarische Geschichten selbst interdiskursiv in die Gesellschaft zurückwirken können. Der folgende Versuch, zunächst eines Überblicks zentraler Narrative und Gegennarrative, daran anschließend der Kategorisierung von Themen und Schreibweisen, muss zwar eine (zwangsläufig unvollständige) Bestandsaufnahme der ersten Jahre bleiben, macht aber bereits Tendenzen der fiktionalen Auseinandersetzung mit dem Hashtag und der Bewegung deutlich, vor allem aber mit dem grundsätzlichen Problem von sexueller Gewalt und Machtungleichheiten.
Fields of Study & Subjects
Gender
Feminism
and Media
German Literature and Culture Studies
Gender and Feminist Studies
Publication details
- Journal / source
- Publication Server of Goethe University Frankfurt am Main (Goethe University Frankfurt)
- Publication date
- 2 February 2026
- Language
- DE