Entwicklung medienfachdidaktischer Kompetenzen von Lehramtsstudierenden im Verlauf der Planung, Umsetzung und Reflexion mediengestützten Biologieunterrichts im Semesterpraktikum
Abstract
Digitale Medien bergen ein erhebliches Potenzial für den naturwissenschaftlichen Unterricht, das jedoch gegenwärtig sowohl national als auch international nur bedingt ausgeschöpft wird. So beschränkt sich ihr Einsatz größtenteils auf wenig schülerorientierte Anwendungen wie die Präsentation von Inhalten. In diesem Zusammenhang kommt der Lehrkraft eine zentrale Rolle zu, da sie entscheidet, ob und in welcher Qualität digitale Medien im Unterricht eingesetzt werden. Damit sie dieses Potenzial gezielt ausschöpfen kann, muss sie die technologischen Eigenschaften digitaler Medien erkennen und in naturwissenschaftsdidaktische Anwendungsmöglichkeiten übersetzen. Aus diesem Grund wird das hierfür notwendige medienfach-didaktische Professionswissen (TPACK) zunehmend in Curricula des Lehramtsstudiums integriert. Dennoch besteht eine Diskrepanz zwischen dem, was angehende Lehrkräfte während ihres Studiums über den Einsatz digitaler Medien lernen und ihrem tatsächlichen Nutzungsverhalten in der Unterrichtspraxis. Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Arbeit, wie der Transfer von universitär vermitteltem TPACK auf die medienfachdidaktische Handlungskompetenz bei Lehramtsstudierenden verläuft. Hierfür wurde eine medienspezifische Intervention entwickelt, bestehend aus einem theoretischen Workshop an der Hochschule sowie der anschließenden Planung, Umsetzung und Reflexion mediengestützten Unterrichts im Praxissemester. Über drei Semester hinweg wurden 42 Biologie-Lehramtsstudierende begleitet und Daten auf den Ebenen der Planung, Umsetzung und Reflexion erhoben. Flankierend wurden affektiv-motivationale Dispositionen wie Einstellungen, Selbstwirksamkeitserwartungen und motivationale Orientierungen vor und nach den praktischen Unterrichtserfahrungen erhoben und deren Entwicklung sowie Wechselspiel untersucht. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen, dass Studierende ihr universitär vermitteltes TPACK nur teilweise auf die Unterrichtspraxis übertragen können. Dabei fokussieren sie häufig medienbezogene Aspekte, während inhaltsbezogene Überlegungen tendenziell vernachlässigt werden. Während einige Studierende die technologischen Eigenschaften digitaler Medien zielgerichtet mit den inhaltlichen Unterrichtszielen und Charakteristika des Fachinhalts verknüpfen können, trennen andere diese Aspekte systematisch voneinander. Persönliche und stellvertretende Praxiserfahrungen scheinen dabei von zentraler Bedeutung zu sein, da sie die Entwicklung affektiv-motivationaler Dispositionen positiv beeinflussen. Auf Basis dieser Ergebnisse wird eine Modellierung des Transferprozesses von universitär vermitteltem deklarativem TPACK zu prozeduralen TPACK-Handlungsskripten vorgenommen.
Fields of Study & Subjects
Education Methods and Technologies
Science Education and Pedagogy
Mathematics Education and Teaching Techniques
Publication details
- Journal / source
- Publication Server of the universities of applied sciences Weingarten and Ravensburg (Universities of Applied Sciences Weingarten and Ravensburg)
- Publication date
- 1 February 2026
- Document type
- Thesis