Gebrochene Internationalität : die südasiatischen Regionalliteraturen zwischen lokaler Schließung und weltliterarischer Öffnung
Abstract
Translingualität ist der bevorzugte Begriff, um Autorschaft in mehr als einer Sprache zu bezeichnen. Diese ist auf dem indischen Subkontinent keine Neuigkeit und insofern auch nicht an sich schon Zeichen für Internationalität und globale Ausrichtung: Schon seit Jahrtausenden finden wir mehrsprachige Autoren und die unterschiedlichsten multilingualen Milieus. Die Translingualität vom Typus Regionalsprache plus Englisch (und eventuell eine weitere Regionalsprache) ist seit dem mittleren 19. Jahrhundert weit verbreitet, zum Beispiel schon bei dem berühmten Michael Madhusudan Datta (1824-73), der als Vater der modernen bengalischen Lyrik gilt und als Protagonist einer früh anglisierten Elite in Kalkutta zunächst englische Sonette, Dramen und Versdichtungen im Stil Miltons verfasste, bevor er sich zu seiner Muttersprache bekannte und dann unter anderem den Blankvers ins Bengali einführte. Translingualität ist bei ihm und einigen seiner Zeitgenossen im 19. Jahrhundert noch zeitlich aufeinander folgenden Phasen zuzuweisen – die bengalische Phase wird oft in nationalistischer Manier als eine ‚Heimkehr‘ gefeiert – wobei er auch weiterhin seine bengalischen Werke in ausführlichen Briefen an bengalische Freunde auf Englisch kommentierte. In der Sprachpolitik des unabhängigen Indien kann die sogenannte "Three Language Formula" als Niederschlag dieser Translingualität gesehen werden - ein für das Bildungssystem entwickeltes didaktisches Programm, welches Englisch, Hindi sowie eine Regionalsprache zum linguistischen Standardrepertoire der gebildeten indischen Bevölkerung macht.
Fields of Study & Subjects
Comparative and World Literature
Postcolonial and Cultural Literary Studies
Translation Studies and Practices
Publication details
- Journal / source
- Publication Server of Goethe University Frankfurt am Main (Goethe University Frankfurt)
- Publication date
- 2 February 2026
- Language
- DE