Die Internationalität der Literaturen : ein Forschungsprogramm

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Authors: Winfried Eckel
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Abstract

Der Titel dieses Dossiers klingt nicht sehr spektakulär. Was alles ist nicht heute international? Ein Kongress, ein Wettkampf, der Geldverkehr und der Tourismus, die Politik und die Wissenschaft, der Kulturbetrieb und die Mode oder der Sport… Dass auch die Literatur ein internationales Phänomen sein soll, nimmt vor diesem Hintergrund nicht Wunder. [...] Doch enthält die Vorstellung einer Internationalität der Literatur und der Literaturen Implikationen, die eine ganze Reihe von geläufigen Ansichten in Frage stellen. Diese Internationalität besteht nicht nur darin, dass Literatur über nationale Grenzen hinweg Verbreitung findet und von Menschen rezipiert wird, die einem anderen sprachlichen, kulturellen oder politischen Horizont entstammen als die jeweiligen Autoren. Auch die Verfasser literarischer Texte selbst stehen oftmals in internationalen Kontexten, die sehr viel weiter sind als nur der Kontext ihrer primären Sprache und Kultur. Sie lesen, in Übersetzung oder im Original, die Texte ihrer fremdsprachigen Kollegen und entnehmen so anderen Literaturen Anregungen formaler oder inhaltlicher Art, die sie für ihre eigene literarische Produktion fruchtbar machen. Die distributive Internationalität der Literatur steht so in engem Zusammenhang mit einer genetischen, die internationale Rezeption von Literatur erlangt Auswirkungen auf ihre Produktion. Die Evolution einer - einzelsprachlich oder national definierten - Literatur, heißt dies, ist aus einer reinen Binnenlogik heraus gar nicht zu erklären, sie setzt im Gegenteil vielfältigen wechselseitigen Austausch voraus.

Fields of Study & Subjects

Comparative and World Literature German Literature and Culture Studies Literary Theory and Cultural Hermeneutics

Publication details

Journal / source
Publication Server of Goethe University Frankfurt am Main (Goethe University Frankfurt)
Publication date
2 February 2026
Language
DE