Kontrolle der Rostmilbe in Tomaten unter biologischen Anbaubedingungen (Verbundvorhaben)
Abstract
Das hier beschriebene Verbundvorhaben umfasst folgende Teilprojekte: FKZ 19OE113, FKZ 19OE173, FKZ 19OE174, FKZ 19OE175, FKZ 19OE176, FKZ 19OE177 und FKZ 19OE178 Das Verbundprojekt Kretschab (2022–2025) entwickelte nichtchemische, praxisnahe Maßnahmen zur Regulation der Tomatenrostmilbe (Aculops lycopersici) im ökologischen und integrierten Anbau. Im Mittelpunkt standen biologische Kontrolle, Sortenwahl, Kulturführung, physikalische Barrieren sowie die Weiterentwicklung von Früherkennungssystemen. Die Untersuchungen zeigen, dass klassische Raubmilbenarten wie Amblyseius swirskii oder Transeius montdorensis unter Praxisbedingungen kaum wirksam sind. Pronematus ubiquitus und Homeopronematus anconai eignen sich für eine effektive Kontrolle, vorausgesetzt, sie werden präventiv ausgebracht und erreichen eine Populationsdichte von mindestens drei Individuen pro Fiederblatt. Die Umfeldanalyse hat ergeben, dass H. anconai bestimmte Blattstrukturen bevorzugt und so eine Einwanderung ins Gewächshaus gefördert werden könnte. Die Sortenversuche mit 13 Tomatensorten zeigten deutliche Unterschiede in der Befallsanfälligkeit, jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Trichomdichte. Sorten wie ‘Baylee’ waren stärker betroffen, während ‘Roterno’, ‘Tica’ oder ‘Loreto’ deutlich geringere Befallsstärken zeigten. Physikalische Barrieren wie Micula® oder Leim reduzierten den Befall, insbesondere am Stängel, beeinträchtigten jedoch teilweise die Etablierung von Nützlingen im oberen Pflanzenbereich. Nichtchemische Mittel wie Diatomeenerde oder BbProtec zeigten keine eindeutige Wirkung gegen die Rostmilbe. Ein Prototyp für ein automatisiertes Früherkennungssystem mittels Klebestreifen wurde entwickelt. Die mechanische Probenahme funktionierte zuverlässig, jedoch ist die Bildauflösung für eine automatische Milbenerkennung noch unzureichend. Die Ergebnisse zeigen, dass ein integriertes, vollständig nichtchemisches Management der Tomatenrostmilbe möglich ist. Die wirksamsten Strategien sind ein präventiven Nützlingseinsatz, insbesondere von Pronematus ubiquitus und Homeopronematus anconai, sowie der Einsatz von physikalischen Barrieren. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Strategien muss die Kulturführung und weitere Pflanzenschutzmaßnahmen angepasst werden. Für die Praxisbetriebe stehen die im Projekt erarbeiteten Merkblätter, Versuchsberichte und Schulungsmaterialien zur direkten Anwendung bereit.
Fields of Study & Subjects
Insect-Plant Interactions and Control
Study of Mite Species
Powdery Mildew Fungal Diseases
Publication details
- Journal / source
- Organic Eprints (International Centre for Research in Organic Food Systems, and Research Institute of Organic Agriculture)
- Publication date
- 30 January 2026
- Language
- DE