Fiktionen des Krieges
Abstract
Kriege bestehen nicht nur aus Kämpfen mit Waffen, sondern sie werden massiv durch einen Diskurs über Zeichen und Medien verstärkt. Damit wird auch die Funktion der Literatur berührt, soweit sie Kriege thematisiert. Der Roman „Internat“ (deutsch 2018) des ukrainischen Autors Serhij Zhadan, der 2014/15 im Donbass-Krieg spielt, wird vom Werk des deutschen Nachkriegsautors Wolfgang Borchert her erschlossen. In Zhadans Roman wird wie bei Borchert ein auf das Essentielle und Existenzielle hin konstruiertes Bild des jeweiligen Krieges geschaffen. Dabei geht es nicht um den konkreten historischen Ablauf. Bilder und Narrativ veranschaulichen seine Menschenfeindlichkeit. Sie zeigen, wie sich aus dem Zusammenspiel von Wahrheit und Lüge die Gewalt des Krieges entwickelt mit der Folge einer Zerstörung, die ins Totale reicht und zugleich von den Zivilisten, die im Vordergrund von Zhadans Romans stehen, als kaum durchschautes Schicksal erfahren wird. Mit dem Widerstand gegen die Angst, welchen der zunächst passive Lehrer Pascha beim Gang durch die „Hölle“ der Stadt zur Rettung seines Neffen entwickelt, und Momenten einer humanen Haltung auf beiden Seiten erweist sich „Internat“ als Anti-Kriegsroman. Der Kriegsverlauf kann allerdings durch dieses Verhalten nicht wirklich beeinflusst werden und die Bekämpfung der Invasion in ein selbständiges Land bleibt legitim.
Fields of Study & Subjects
German Literature and Culture Studies
World Wars: History
Literature
and Impact
Comparative and World Literature
Publication details
- Journal / source
- DOAJ (DOAJ: Directory of Open Access Journals)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- SV