Evaluation der allgemeinmedizinischen Ausbildung innerhalb des Klinisch-Praktischen Jahres an akkreditierten Lehrordinationen der JKU
Abstract
Hintergrund: Die klinisch-praktische Ausbildung im Fach Allgemeinmedizin ist im medizinischen Grundstudium innerhalb Europas bislang uneinheitlich strukturiert. Dies führt zu einer erheblichen Variabilität hinsichtlich des Umfangs, inhaltlicher Ausgestaltung und geforderter Kompetenzen zwischen den einzelnen Universitäten. In Anbetracht dieser Tatsache wurden der allgemeinmedizinische Abschnitt des in Österreich etablierten Klinisch-Praktischen Jahres (KPJ) an akkreditierten Lehrordinationen der Medizinischen Fakultät der Johannes Kepler Universität Linz (JKU Linz) sowie dessen Übereinstimmung mit internationalen Kompetenzrahmen untersucht. Ergänzend wurde die Zufriedenheit der Studierenden mit dieser Ausbildungsphase analysiert, um mögliche Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Ziel: Ziel dieser Arbeit war es, die Zufriedenheit von Medizinstudierenden mit dem allgemein-medizinischen Abschnitt des KPJs an akkreditierten Lehrordinationen der JKU Linz zu erfassen. Dabei sollten sowohl Stärken des bestehenden Ausbildungskonzepts als auch mögliche Defizite aufgezeigt werden. Zusätzlich erfolgte ein Vergleich des Ausbildungskonzepts mit internationalen Kompetenzrahmen renommierter allgemeinmedizinischer Fachgesellschaften, um Übereinstimmungen mit den formulierten Kompetenzanforderungen herauszuarbeiten. Darüber hinaus wurden Zusammenhänge zwischen ausgewählten Aspekten der Ausbildung untersucht. Methodik: Es wurde eine quantitative, explorative Querschnittsstudie auf Basis eines Online-Fragebogens durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte zwischen März und Oktober 2025 und inkludierte (ehemalige) Studierende der Medizinischen Fakultät der JKU Linz, die den allgemeinmedizinischen KPJ-Abschnitt bereits absolviert hatten oder sich zum Erhebungszeitpunkt darin befanden. Der Fragebogen erfasste demographische Daten, die allgemeine Evaluation des KPJ-Abschnitts, organisatorische Aspekte, die wahrgenommene Relevanz in Hinblick auf die Gesamtprüfung, Lerngelegenheiten und Lernfortschritte, die Betreuung durch die Lehrperson/das nicht-medizinische Personal sowie Freitextantworten zu Verbesserungsvorschlägen. Insgesamt erfüllten 46 Fragebögen die Einschlusskriterien. Die Daten wurden deskriptiv sowie mittels bivariater Zusammenhangsanalysen ausgewertet. Resultate: 78,26% der Teilnehmenden gaben an, dass ihre Lernziele während des KPJ-Abschnitts ausreichend erfüllt wurden. Die Mehrheit der Studierenden berichtete über eine subjektive Verbesserung ihrer klinisch-praktischen Fähigkeiten in zentralen Bereichen der allgemeinmedizinischen Versorgung. Zudem zeigte sich eine positive Verschiebung des angegebenen Berufswunsches in Richtung der Allgemeinmedizin. Es konnten stark-positive Zusammenhänge zwischen vermehrt angebotenen Lerngelegenheiten sowie der Zufriedenheit mit der Betreuung durch die Lehrperson und der wahrgenommenen Verbesserung klinischer Fertigkeiten festgestellt werden. Schlussfolgerung: Der allgemeinmedizinische Abschnitt des KPJs wird von Studierenden überwiegend positiv bewertet und leistet einen relevanten Beitrag zur Entwicklung klinisch-praktischer Kompetenzen. Gleichzeitig zeigten sich Verbesserungspotenziale insbesondere in den Bereichen der interdisziplinären Zusammenarbeit, der Patient*innenbetreuung außerhalb der Ordinationszeiten, den zur Verfügung gestellten Fortbildungsangeboten und fachlichen Ressourcen sowie in der Gestaltung und didaktischen Funktion des Logbuchs. Die identifizierten Zusammenhänge liefern Hinweise darauf, welche Ausbildungsaspekte die Motivation zur Aufnahme einer allgemeinmedizinischen Weiterbildung fördern könnten.
Fields of Study & Subjects
Innovations in Medical Education
Health and Medical Education
Primary Care and Health Outcomes
Publication details
- Journal / source
- University Library Linz repository (Johannes Kepler Universitat Linz)
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- DE
- Document type
- Thesis