Analyse der Ergebnisse der Pilotversuche mit Cannabis in Schweizer Städten - Zweiter Teil, Mitte 2024 bis Mitte 2025

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Authors: Susanne Hadorn, Céline Mavrot, Baptiste Novet
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Abstract

Die Umsetzung von Pilotversuchen zur Gewinnung von Erkenntnissen zur Regulierung von Cannabis wird in mehreren Schweizer Städten und Gemeinden fortgesetzt. Sie erfolgt auf Grundlage des 2021 eingeführten Experimentierartikels im Betäubungsmittelgesetz (BetmG) und der dazugehörigen Verordnung (BetmPV). Gemäss den aktuellsten Zahlen per Juni 2025 nehmen rund 10‘400 Erwachsene an den sieben laufenden Pilotversuchen teil. Dies entspricht etwas weniger als fünf Prozent der Personen, die 2022 laut Bundesamt für Statistik angaben, im letzten Monat Cannabis konsumiert zu haben (etwa 220'000 Personen).1 Getestet werden Verkaufsmodelle in Apotheken, spezialisierten Fachgeschäften – einige gewinnorientiert, andere nicht – in Vereinen („Social Clubs“), sowie im Drogeninformationszentrum der Stadt Zürich , die einen kontrollierten Zugang zu den Cannabisprodukten ermöglichen. Die bis Juli 2025 vorliegenden Daten zeigen, dass die Teilnehmenden der Pilotversuche mit der Produktqualität, der Beratung und den bereitgestellten Informationen zufrieden sind. Bisher verliefen die Pilotversuche zudem ohne nennenswerte Zwischenfälle, negative Auswirkungen auf die Gesundheit oder die öffentliche Ordnung. In einzelnen Versuchen werden Verbesserungen des psychischen Wohlbefindens berichtet, möglicherweise durch den Wegfall von Beschaffungsstress und durch den Abbau von Stigmatisierung. Für die Mehrheit der Teilnehmenden sind legale Verkaufsstellen inzwischen die Hauptbezugsquelle. Bereits nach ein bis zwei Jahren scheint sich ein grosser Teil der Teilnehmenden – in nicht gewinnorientierten sowie in gewinnorientierten Modellen – deutlich vom illegalen Markt abzuwenden, womit dieser für ihre Versorgung an Bedeutung verliert. Produkte zum Rauchen mit hohem THC-Gehalt sind nach wie vor am gefragtesten. Doch das Interesse an einer breiteren Angebotspalette mit neuen Produktekategorien (Vaporizer, E-Liquids, essbare Produkte) und Produkten mit niedrigeren THC-Gehalten nimmt zu, und in manchen Fällen sind Veränderungen hin zu risikoärmeren Konsumformen erkennbar. Die durchschnittlich pro Studienteilnehmerin respektive -teilnehmer bezogene monatliche Menge an THC bleibt gemäss den ersten Auswertungen über die ersten 12 Monate Studienteilnahme relativ stabil. Das Verkaufspersonal aller Verkaufsstellen wurde zu Konsum- und Suchtthemen geschult. Dabei legen die nicht-gewinnorientierten Modelle bei der Interaktion mit den Konsumentinnen und Konsumenten einen besonderen Fokus auf die Prävention, während in den profitorientierten Modellen bei Aspekten wie der Nutzung der medizinischen Beratung und Prävention tendenziell die Eigenverantwortung der Studienteilnehmenden betont wird. Gespräche mit internationalen Fachleuten aus Bereichen wie öffentliche Gesundheit, Kriminologie, Psychologie und Marktregulierung bestätigen die Einzigartigkeit und das Potenzial des Schweizer Ansatzes. Erfahrungen aus dem Ausland unterstreichen die Bedeutung einer strikten Regulierung zwecks Einführung eines nicht-kommerziellen Systems, klarer Vorgaben für Verpackung und Werbung sowie einer kohärenten Steuerung auf nationaler Ebene, wenn die öffentliche und individuelle Gesundheit wirkungsvoll geschützt werden soll. Diese Erkenntnisse liefern wichtige Orientierungspunkte für die Debatte über eine mögliche Regulierung von Cannabis in der Schweiz, die öffentliche Gesundheit, Sicherheit und Jugendschutz in Einklang bringt.

Fields of Study & Subjects

Cannabis and Cannabinoid Research Substance Abuse Treatment and Outcomes Criminal Law and Policy

Publication details

Journal / source
IRIS
Publication date
1 January 2026
Language
DE