Präventive Restrukturierungsmechanismen für Immobiliengesellschaften : eine rechtsvergleichende Analyse in Österreich, Deutschland und der Schweiz
Abstract
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit präventiver Restrukturierungsmechanismen für Immobiliengesellschaften im deutschsprachigen Raum. Dabei werden die österreichische Restrukturierungsordnung (ReO), das deutsche Unternehmensstabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG) sowie das schweizerische Nachlassverfahren verglichen. Ziel der Untersuchung ist es, die rechtliche und praktische Eignung dieser Instrumente für die Restrukturierung von Immobiliengesellschaften zu bewerten, die Stärken und Schwächen der jeweiligen Verfahren darzulegen und Optimierungspotenziale aufzuzeigen. Die Analyse zeigt, dass die österreichische Restrukturierungsordnung grundsätzlich ein geeignetes Instrumentarium für die finanzielle Restrukturierung bereitstellt. Ihre Wirksamkeit ist jedoch aufgrund von starren Gläubigerklasseneinteilungen, hohen Mehrheitserfordernissen und fehlenden operativen Eingriffsmöglichkeiten begrenzt. Das deutsche StaRUG weist demgegen-über eine größere Gestaltungsfreiheit auf, insbesondere durch flexible Gruppenbildung und die planmäßige Einbeziehung von Gesellschafterrechten bis hin zu Debt-to-Equity Swaps. Das schweizerische Nachlassverfahren bietet mit seiner weitrechenden Eingriffsmöglichkeit einen umfassenden Instrumentenkatalog sowohl für finanzielle als auch operative Sanierungen, weist jedoch aufgrund der fehlenden Gruppenunterteilung sowie seiner Eingliederung im Insolvenzrecht und dem damit verbundenen Stigma wesentliche Einschränkungen auf. Für Immobiliengesellschaften, welche primär eine finanzielle Restrukturierung anstreben, erweisen sich ReO und StaRUG somit passgenauer, da sie eine frühzeitige, diskrete und reputationsschonende Stabilisierung der Kapitalstruktur ermöglichen. Im rechtsvergleichenden Fazit wird deutlich, dass die präventiven Restrukturierungsverfahren in Deutschland und Österreich wesentlich zur Entstigmatisierung der Unternehmenssanierung beitragen. Sie bieten Immobiliengesellschaften die Möglichkeit, frühzeitig auf Liquiditätsprobleme zu reagieren, ohne in ein insolvenzähnliches Umfeld zu geraten. Dennoch besteht weiterhin Optimierungsbedarf. Die ReO würde etwa durch flexiblere Gläubigerklasseneinteilungen und die Einbeziehung gesellschaftsrechtlicher Maßnahmen profitieren. Weiterhin könnten so-wohl die ReO als auch das StaRUG durch moderate operative Eingriffsinstrumente verbessert werden. Insgesamt verdeutlicht die Arbeit, dass die europäische Harmonisierung der Restrukturierungsverfahren die Sanierungspraxis kapitalintensiver Branchen wie der Immobilienwirtschaft deutlich gestärkt hat, jedoch weiterhin Verbesserungspotential besteht.
Fields of Study & Subjects
Corporate Insolvency and Governance
Taxation and Legal Issues
Corporate Governance and Law
Publication details
- Journal / source
- ePLUS
- Publication date
- 1 January 2026
- Language
- EN
- Document type
- Thesis