Der Beitrag von Smartwatches mit EKG-Funktion zur kardialen Diagnostik in der Allgemeinmedizin - eine Literaturrecherche unter Berücksichtigung von Fallberichten

Authors: Thomas Wassermair
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Abstract

Hintergrund: Smartwatches mit integrierten Elektrokardiogramm- (EKG) und Photoplethysmographie Funktionen (PPG) bieten innovative Möglichkeiten zur kardialen Diagnostik im hausärztlichen Versorgungsbereich. Ihre klinische Rolle und ihr Potenzial in der Primärversorgung sind jedoch noch nicht ausreichend definiert. Methodik: Im Rahmen der vorliegenden Masterarbeit erfolgte ein Scoping Review unter Einbeziehung von Kohortenstudien, Querschnittsstudien, Interventionsstudien, diagnostischen Studien, qualitativen Studien und Fallberichten aus dem Zeitraum 2018-2025 auf Basis der wissenschaftlichen Datenbanken Pubmed, Google Scholar und Cochrane Library. Dabei wurden folgende Suchbegriffe verwendet: Smartwatch, EKG, ECG, electrocardiogram, single lead, atrial fibrillation, arrhythmia, myocardial infarction, cardiac event, ST elevation, primary care, general practice, outpatient, community. Vor Durchführung der Literaturrecherche wurden Ein- und Ausschlusskriterien definiert, welche bei der Selektion der Artikel Anwendung fanden. Zur Auswertung der Ergebnisse wurde eine deskriptive Synthese der eingeschlossenen Studien durchgeführt. Ergebnisse: Smartwatches mit EKG-Funktion zeigen zur Detektion von Vorhofflimmern hohe Sensitivitäten und Spezifitäten von bis zu 99 % beziehungsweise 100 % im Vergleich zu 12-Kanal-EKGs. Diese Werte reduzieren sich bei Einbeziehung inkonklusiver Ergebnisse, die je nach Gerät bis zu etwa einem Viertel angegeben werden. Die ärztliche Reevaluierung dieser Fälle kann in bis zu 99 % der Fälle zu verwertbaren Diagnosen führen. Bei älteren Menschen nach einem Schlaganfall zeigen einige Studien höhere Detektionsraten von Vorhofflimmern im Vergleich zum Holter-EKG. Entscheidend ist die Indikationsstellung, die wiederum zu einem Adhärenz-Erfolg beiträgt. Weiters ist im Rahmen der Ein-Kanal-Limitation die eingeschränkte Unterscheidung von Vorhofflimmern und Vorhofflattern zu beachten. Diese Limitation betrifft auch die Interpretation einer ST-Hebung als Hinweis auf einen Myokardinfarkt. Im Rahmen von Fallberichten und Studien konnte die Möglichkeit zur Aufzeichnung mehrerer EKG-Ableitungen durch sequenzielle Platzierung aufgezeigt werden, was durch einen nachgestellten Eigenversuch bestätigt wurde. Die praktische Implementierung von Smartwatches mit EKG-Funktion in der hausärztlichen Versorgung wird durch organisatorische Herausforderungen wie fehlende Datenintegration in elektronische Gesundheitsakten sowie Datenschutzbedenken erschwert. Schlussfolgerungen: Insgesamt bieten Smartwatches mit EKG-Funktion im Rahmen der kardialen Diagnostik in der Allgemeinmedizin ein hohes Potenzial. Voraussetzungen für einen hausärztlichen Einsatz sind klare Indikationen sowie eine strukturierte ärztliche Interpretation. Für die praktische Implementation in hausärztlichen Praxen könnten sich Telemedizin-Partnerschaften zur Integration und Auswertung der Daten als hilfreich erweisen. In diesem Rahmen wäre eine Evaluierung von weiteren Anwendungsgebieten wie etwa das QTc-Screening bei Risikogruppen möglich. Ein derartiges Setting könnte auch zu einer Verzahnung mit kardiologischen Praxen und ressourcenschonder ärztlicher Versorgung beitragen.

Fields of Study & Subjects

ECG Monitoring and Analysis Non-Invasive Vital Sign Monitoring Cardiac electrophysiology and arrhythmias

Publication details

Journal / source
University Library Linz repository (Johannes Kepler Universitat Linz)
Publication date
1 January 2026
Language
DE
Document type
Thesis